Donnerstag, 29. Juni 2017

Reise Reise

1. Tag: 7.00 Uhr Abfahrt, Frühstück auf dem Weg in Woreta (eine Stadt), Ankunft in Gondar gegen 14.00 Uhr

Am Nachmittag haben wir uns die Paläste, die dort seit dem 17. Jahrhundert erbaut wurden, angesehen. Auf einem Areal von 7000m², das von einer 900m langen Mauer mit 12 Toren umgeben ist, bauten mehrere äthiopische Kaiser ihre Paläste bzw. erweiterten das Areal um andere Gebäude, wie Bibliotheken und eine Sauna für alle.

Der erste Palast von Gondar, erbaut von Fasilidis



Der zweite, dort ansässige Herrscher, Johannes I., lebte in einem bescheidenen Palast, verlangte keine Steuern und kümmerte sich selbst, um das was er brauchte, da er angeblich handwerklich sehr geschickt war. Sein "Palast" heißt deshalb hier auch "Haus der Liebe".

Palast von Johannes I., das Haus der Liebe


2. Tag: 7.00 Uhr Treffen, Frühstück (dreieckige frittierte Teigtaschen mit Linsenfüllung), Geldautomaten-Stalking und dann endlich gab es Strom und Internet und wir konnten Geld holen, Weiterfahrt nach Debark am Simien Mountain Nationalpark, Ankunft gegen 11.00 Uhr

Nachdem wir im Büro des Nationalparks ein paar Infos bekommen haben, gings zum Hotel. An der Rezeption wurden wir von einem Mann angesprochen, ob wir nicht eine kleine Wanderung unternehmen wollten. Also verblieben wir mit ihm, dass wir uns um 12.00 Uhr zum losgehen treffen würden. Als die Taschen im Zimmer waren und wir bereit zum Losgehen, kam Shambel noch einmal zu uns und erzählte uns, dass der Mann kein offizieller Guide sei und wollte sichergehen, ob er sich an die Abmachung, bzw. an unsere Erwartungen hielt. Es kam zu einer Diskussion, weil der "Guide" nicht genau erklären konnte, wo er hingehen wollte, weder auf amharisch noch auf englisch, solange bis wir schon kein Vertrauen und keine Lust mehr hatten, mit ihm etwas zumachen. Hinzu kam noch, dass er Shambel die ganze Zeit "Wettbewerbsverzerrung" vorwarf und richtig ungehalten wurde. Obwohl Shambel nur unseren Standpunkt und unsere Sicherheit klar gestellt hat. Später haben wir mitbekommen, dass Shambel ihm am Ende sogar Geld gab, um uns alle in Ruhe zu lassen.
Nach dieser Aufregung und unserer Enttäuschung gab es erst einmal Mittagessen und im Anschluss sind wir noch einmal ins Nationalpark-Büro gegangen. Die Entscheidung fiel: Wir zahlen einen Guide, einen Guard (zum Schutz, falls Tiere angreifen) und unseren Eintritt für 2 Tage (halbe Tage gibts nicht) und nutzen den Nachmittag schon für eine kleine Tour.



Diese kleine Tour ging in einen jüngeren Teil des Nationalparks, Lemalemo genannt. Empfangen wurden wir dort von plötzlich aufziehendem dichten Nebel und dann einem Regenschauer, so wie sich das in einem tropischen Gebirge-Wald gehört ... für die Sicht wars trotzdem erstmal blöd. Zum Glück ändert sich das Wetter dort sehr schnell, teilweise innerhalb von Minuten, und deshalb konnten wir dann quasi sofort wieder was sehen.

Mulis und Esel auf der Straße, die zum Handeln
von einem Ort zum nächsten getrieben werden

Der Name, Lemalemo, kommt angeblich von dem einheimischen Ausdruck "Lemlem", wobei "lem" soviel wie "grün" heißt, und beschreibt, dass die Gegend immer grün ist, weil es genug Wasser gibt. Wobei an einigen Stellen im Nationalpark die Temperaturen sogar unter den Gefrierpunkt sinken können.

Blick über ein Tal mit Nebel und  Regenwolken


3. Tag: 8.00 Uhr Treffen am Hotel mit allen: Fasil, Shambel, dem Guide und dem Scout, Wasser kaufen und ein paar Kekse, und auf in den Nationalpark

Insgesamt haben wir zwei einzelne Wanderungen von verschiedenen Punkten gestartet und wurden jeweils am Ende von unserem Fahrer wieder eingesammelt.
Zuerst ging es zu verschiedenen "Aussichtspunkten" am Rand der Schluchten und Täler. Die Weite und der Blick sind unvergleichlich.




Auf dem Weg sind wir auch super zutraulichen und friedlichen Affen begegnet. Dscheladas leben nur im Simien-Mountian Nationalpark und gehören zu den Pavianen. Sie essen Beeren, Blätter und Gras und sind ein bisschen die "Gärtner" des Nationlaparks.






Die zweite Wanderung führte uns auf ca. 3300 m.ü.NN durch die Natur und bis zu einem Wasserfall. Dieser Wasserfall ist ca. 530m hoch und einer der längsten der Erde.



Der Nebel stieg super schnell aus den Tälern und von den Hängen auf, zog vor uns auf, wobei er unsere Aussicht auf eine weiße Wand beschränkte, und war dann so schnell er gekommen war auch wieder weg. In der Zwischenzeit zwischen den Nebeln haben wir versucht einen Eindruck von den Ausblicken einzufangen.

Das Team: Scout, Fasil, Shambel, Lisa, Basti

Da wir um 18.00 Uhr spätestens den Park verlassen mussten, es keine anderen kurzen Wanderungen mehr gab und das Wetter mehr und mehr zuzog, kehrten wir nachmittags nach Debark zurück und entschieden uns spontan noch am Abend nach Gondar zurück zufahren, um am nächsten Tag unser nächstes Ziel, Lalibela, erreichen zu können.



4. Tag: 7.00 Uhr Abfahrt vor dem Hotel in Gondar, Frühstück wieder in Woreta, Weiterfahrt nach Lalibela

Malasch, den Brunder von unserem Guide im Simien Mountain Nationalpark, haben wir von Gondar mit bis nach Lalibela genommen. Er ist auch Guide im Simien-Mountain, und hat "Tourismus", also auch Geschichte und Landeskunde, studiert.

Kurz vor Lalibela ist ein Kloster halb in den Felsen eingebaun mit heiligem Wasser, dass aus der Decke tropft. Dort haben wir sehr andächtig und gewissenhaft alles Wichtige gezeigt und erklärt bekommen, übersetzt haben Shambel und Malasch. Dieser Ort hat uns sehr berührt mit seiner Stille und dem Respekt, den wir dort erfahren haben.


Das Kloster im Fels
Die 9 Schalen für die 9 Apostel, die das heilige Wasser auffangen,
das aus der Decke tropft



Eine 600 Jahre alte Bible in Gihz,
 der alten Sprache vor Amharisch, aber verwandt.
Die orthodox-christlichen Biblen aus Äthiopien sind die einzigen,
 die von Beginn an bebildert waren

Schrank mit den Schätzen und Utensilien des Klosters:
Kronen, eine Trommel aus Silber, mehrere Kreuze aus
verschiedenen Epochen, ein Korb mit Weihrauch,...
Am Abend haben wir noch traditionellen Honigwein, genannt Tej (sprich: Tadsch), probiert und sind dann selig nach 10 Stunden Fahrt und Reise ins Bett gefallen.

Schlummertrunk: Tej im traditionellen Glas



5. Tag: 6.00 Uhr Aufbruch, Wanderung, Besichtigung der Steinkirchen in Lalibela

Am Abend zuvor hatten wir mit einem Straßenjungen vereinbart uns am nächsten Morgen um 6.00 Uhr zu treffen um zur Kirche Asheten Mariam zu wandern und von noch weiter oben über Lalibela zu blicken.
Nach dem Frühstück (Snack) über Lalibela gings zurück zur Stadt, 600 Höhenmeter nach unten.

Bauernhaus auf dem Weg nach oben am frühen Morgen


Blick aus dem Tunnel zur Kirche ins Tal

Der Grund für den Aufstieg: Was für ein Blick :-)

Um ca. 11.00 Uhr kamen wir wieder am Hotel an, der frühe Start war gut um nicht zu sehr in die Hitze der Sonne zukommen. Nach eine Pause und einer Dusche haben wir zu mittag gegessen.Eine sehr interessante Variante von Pizza: der Boden war ähnlich der bekannten Pizza, die Tomatensoße war sehr würzig, hat aber mehr Chilipulver als Tomaten enthalten, und der Käse sah fast aus wie Joghurt nur glibbriger. Lecker aber sehr scharf.



Anschließend mussten wir wieder einen Geldautomaten finden um die Eintritte und soweiter zu bezahlen. Nachdem das geschafft war konnten wir uns im Infocenter der Steinkirchen anmelden, unseren Eintritt für 50$/Nase (nur die Touris) entrichten und uns von einem Guide die Geschichte und die Besonderheiten der wichtigsten Kirchen erklären lassen.

Kirche der heiligen Maria
Die Kirchen in Lalibela sind sehr beeindruckend, allerdings auch überraschend klein. Besonders gut haben mir die Kirche der heiligen Maria und die St. Georgskirche gefallen.

Eine der anderen Steinkirchen,
einige der Säulen wurden erneuert und sind deshalb gemauert

Taufbecken, 10m tief, hier werden Weihnachten
die unfruchtbaren Menschen jedes Jahr getauft

Die Decke und Wände in der Kirche der heiligen Maria
sind mit Fresken bemalt,
dies ist die einzige Kirche mit Malereien am Gebäude

Die Kirche des St. Georg, in Form eines Kreuzes,
 sie stellt auch die Arche Noah dar
Nach dieser vielen Information und der Flut an Eindrücken waren wir ein bisschen erschlagen. Nach einer kurzen Pause im Hotel und einem Abendessen ging es noch einmal in die traditionelle Bar auf ein oder zwei Tej und ein bisschen Schultertanz.



6. Tag: 6.00 Uhr Abfahrt Richtung Bahir Dar, Frühstück in einem kalten Ort auf dem Weg, Zwischenstopp in Awra Amba, 14.00 Uhr Ankunft in Bahir Dar

Außer Fahren haben wir an diesem Tag wenig gemacht. Einen interessanten Stopp haben wir jedoch noch eingelegt: das Dorf Awra Amba, ein Dorf, das nach anderen als den sonst hier üblichen sozialen Regeln lebt.
Der Dorfrundgang und die Erklärungen waren sehr interessant: Jeder arbeitet nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten, also Männer und Frauen machen alles gleichermaßen nach ihrem Können: Kochen, Weben, Kinder betreuen, Alte pflegen im Altenheim.
Jeder Mensch ist gleich wertvoll, deshalb sind die Preise auch für alle gleich und einander helfen, die Armen und Notleidenden zu unterstützen , friedlich und liebevoll miteinander umzugehen und das Paradies auf Erden zu erschaffen sind ein paar der Ideen, die sie dort verwirklichen wollen. Sehr inspirierend.
Ein paar der Gemeinschaftsregeln und Zitate des Gründers,
der dort noch lebt und mit 13 Jahren angefangen hat
Gleichgesinnte für eine Community zu finden
Dieser Eintrag war wohl der längste Bericht, hoffentlich hattet ihr Spaß am Lesen. Wir organisieren und genießen jetzt noch unsere letzten Tage hier und wünschen euch alles Gute und bis bald :-)

Dienstag, 27. Juni 2017

Happy Birthday again

Nachdem wir unsere Arbeit fast beendet hatten, konnten wir endlich planen und ein bisschen was von Äthiopien sehen.
Mit Shambel und Fasil, unserem Fahrer, haben wir eine kleine Tour geplant. Zum Auftakt am Montag (vor einer Woche), Bastis Geburtstag, haben wir einen Tagesausflug zu den bekannten Wasserfällen des Blauen Nils ca. 40km (Achtung: Holperpiste) von Bahir Dar entfernt unternommen.

momentan fängt die Regenzeit erst an,
deshalb ist das eher ein kleines Ausmaß der Wasserfälle
und es sind noch sehr viele Sedimente enthalten

über diese Länge waren die Wasserfälle mal ausgebreitet,
nach der Regenzeit, im September / Oktober, wird es mehr,
allerdings kaum noch die volle Breite, da es mittlerweile mehr Staudämme
und andere Wasserentnahmen vor den Wasserfällen gibt

Am Montag Nachmittag hieß es dann: Koffer packen und alles für die Abreise vorbereiten. Dienstag ging es nämlich früh um 7.00 Uhr los. Die geplante Tour für 6-7 Tage ist: Bahir Dar - Gondar - Simien Mountain Nationalpark - Lalibela - Bahir Dar

Montag, 26. Juni 2017

Wir hatten Besuch


Vorletzte Woche (in unserer 3. Woche hier) waren unsere Professoren aus Deutschland für 5 Tage in Bahir Dar.
In dieser Zeit konnten wir unsere Forschungen weitest gehend abschließen, an dieser Stelle ein Danke an Herrn Schomacker und Herrn Schweikart, sowie an Shambel, einen Studenten, der uns bei allem Möglichen geholfen hat und Birhanu, Biniam und Tegegn von der Uni hier in Bahir Dar.

Die Woche war natürlich auch vollgepackt mit Treffen und Aufenthalten in den Untersuchungsgebieten, deshalb kommt das jetzt als Nachtrag.

Markt in Kebele 4, Bastis Untersuchungsgebiet

Bauernpaar in Lisas Untersuchungsgebiet

weidende Tiere (auch Lisas Untersuchungsgebiet)

Neben der vielen Arbeit blieb nachmittags und abends noch ein bisschen Zeit für Schönes. An einem Abend haben wir zusammen einen traditionellen "Club" besucht. Dort gibt es Live-Musik mit traditionellen Instrumenten und Gesang und dazu den hier beliebten und bekannten Schultertanz. Die Instrumente sind hauptsächlich Trommeln und ein einseitiges Streichinstrument. Es gibt Gesangs- oder Erzähl-Phasen in der Musik, so eine Art poetisches, gesungenes Kabarett, manchmal geschichtlich, manchmal aus der Situation motiviert, verstehen kann man leider nichts davon, außer man kann fließend Amharisch, aber mitlachen und klatschen geht natürlich ;-).
Dazu gibt es dann noch Tanzphasen, in denen die  Anwesenden von den Tänzern zum Mittanzen animiert werden und dann jeweils ein oder zwei aus dem Publikum mit in der Mitte des Raumes tanzen, alle anderen klatschen zum Anfeuern und jubeln vom Rand aus. Als drittes Element kommt eine Art inszenierter Kampf zwischen zwei Tänzern hinzu. Diese Phasen wechseln sich dann immer ab und wiederholen sich in den kleineren Clubs/ Bars häufig.

Sänger mit Streichinstrument im traditionellen Club,
leider ist es dort sehr dunkel...
also sorry für das schlechte Foto
traditionelles Essen: Injera (Sauerteig-Pfannkuchen)
mit verschiedenen Soßen aus Linsen und Bohnen und Kohl
auf einem Tisch aus geflochtenem Gras

Außerdem hatten wir auch die Chance an einem Abend noch spontan mit dem Boot ein Stück auf den Tanasee hinaus und in die Mündung des Blauen Nils zu fahren.

Birhanu (links) und Shambel auf dem Boot

Dort konnten wir traditionelle Fischer in Papyrusbooten und sogar einpaar Nilpferde beobachten.

Fischer im Papyrusboot am Schilf

zwei Nilpferde, gar nicht so einfach, die aufs Bild zu bekommen
Zum Abschluss gabs noch gebackene (frittierte) Tillapias (Fisch), Honigwein und einen wunderschönen Blick auf den See.






Freitag, 16. Juni 2017

Kuriositäten des Alltags

Wir sind ja jetzt schon ein bisschen hier und man soll es nicht glauben, aber es hat sich so etwas, wie Alltag eingestellt, obwohl das trotzdem irgendwie doch nicht 100% stimmt.
Ins Hotel zu kommen ist schon so ein bisschen wie "nach Hause kommen", aber jeder Tag ist anders und kann auch manchmal spontan geplant oder umgeplant werden, ob von uns oder den äußeren Umständen oder eine ungeahnte Wendung bekommen.
Da wir hier eher weniger in tägliche Verpflichtungen, wie einen Job oder Vorlesungen eingebunden sind und unser Freundeskreis sich auch sehr in Grenzen hält, ist das spontane reagieren oder agieren meistens der Normalzustand. Die Planungen belaufen sich auf: "wann treffen wir uns morgen früh" am Abend zuvor und "morgen machen wir ..., oder gehen wir nochmal ..." und dann passiert der Tag.
Manchmal gibt es eine SMS von einem der Ansprechpartner an der Uni und wir werden zu einem Samstags-Seminar eingeladen.

Heute gibt es ein paar Eindrücke in das, was uns so im Alltag passiert.

Ob das Wasser funktioniert = aus dem Hahn kommt ist jeden Tag eine Lotterie. In der Uni ist die Chance 50-50 oder schlechter. Dann sind das Wasserfass und der alte Farbeimer die Klo-Spülung und beim Händewaschen ist dann eine Hand nach der anderen dran.


Klo-Spülung in der Uni
Im Hotel haben wir meistens fließendes Wasser, zwar nur kalt, aber es kommt aus der Leitung. Außerdem haben wir nachts auf dem "Balkon" (eigentlich der Gang zu den Zimmern) auch oft Gesellschaft von Geckos, vor allem abends.

Gerd der Gecko hat sich nachts mit mir ein Gewitter angeschaut

Auf dem Heimweg oder als Frühstück trinken, oder besser löffeln wir auch oft noch einen "Juice" der mehr ein Smoothie ist. Die sind sehr lecker!

Wer sich nicht auf einen Geschmack festlegen kann, der mischt einfach:
Papaya, Avocado und Mango (von oben nach unten)
Unser Hotel scheint auf den ersten Blick eher unscheinbar, aber abends und nachts ist dort immer was los, jede Nacht sind viele Zimmer ausgebucht und der Hof wird auf einmal voll mit Autos. Morgens bevor wir wieder wach sind herrscht schon reges Treiben und so plötzlich wie es voll war ist es auch wieder leer.

Autos im Hof bei Nacht

Ein paar Sachen kommen uns auch bekannt vor, aber eher als Anekdoten aus vergangenen Zeiten: Oma's altes Bügeleisen, das bei ihr im Wohnzimmer als Deko noch steht, ist hier noch häufig in Benutzung.

Mann bügelt auf dem Markt

Es gibt natürlich noch viel mehr, aber das solls für heute erstmal gewesen sein, wir wollen ja auch noch was erzählen, wenn wir wieder da sind. :-)

Sonntag, 11. Juni 2017

Wir sind ja nicht nur zum Spaß hier

Der Grund unseres Aufenthaltes ist ja nicht alleine, das Land kennen zulernen, sondern vor allem auch Daten für unsere Masterarbeiten zu sammeln. Sonst wäre es ja auch ein bisschen einfach ;-)

Heute gibt es für euch deshalb einen kleinen Einblick in unsere Arbeiten.

Basti beschäftigt sich mit der Stadtentwicklung von Bahir Dar, einer der wichtigsten, und dementsprechend größten, Städte in Äthiopien.
Beispielhaft für die Entwicklung von Bahir Dar und auch anderen großen Städten in Äthiopien und Ostafrika kartiert er einen Stadtteil. 
Diese Kartierung haben schon vor ihm andere Studenten in ihrer Masterarbeit vorgenommen, deshalb kann er jetzt so die Veränderungen im Vergleich feststellen und die Ergebnisse übertragen. 

Zu dieser Arbeit gehört vor allem ein aktuelles Satellitenbild (woraus ein Plan gezeichnet wird, von offizieller Seite gibt es sowas hier nicht), ein Feldbuchrahmen, ein Bleistift und ein Einheimischer, der beim Übersetzen und Feststellen der Funktion hilft. Shambel, ein Student, der schon bei einer vorherigen Masterarbeit geholfen hat und selbst 2011 dieses Stadtviertel kariert hat, hilft jetzt auch wieder mit.
Außerdem sollte man genug Wasser, bequeme Schuhe, Sonnencreme (bereits aufgetragen) und immer ein freundliches Lächeln mitbringen.

Basti und Shambel bei der Arbeit

Die meisten Leute sind zwar erst verunsichert und skeptisch, nach einer Erklärung aber sehr freundlich. Kinder begleiten uns auch manchmal ein Stück des Weges, vor allem wenn wir am Wochenende dort unterwegs sind.

So läuft man Gasse für Gasse das Viertel ab und notiert die Funktion jedes Hauses, ab und zu gibt es eine Befragung der Anwohner oder Ladeninhaber als Interview und zusätzliche Informationsquelle, bis alles aufgenommen ist.

Zwei der verhältnismäßig wenigen und sehr friedlichen Straßenhunde

Es gibt viele Neubauten in diesem Viertel:
so sieht hier ein Baugerüst aus

 
Lisa beschäftigt sich mit dem Zustand und der Entwicklung von Grasland oder Weideland. Dafür ist deutlich mehr organisatorische Unterstützung seitens der Uni oder eines ortskundigen nötig. Denn zuerst muss man wissen, wo sich solche Flächen befinden und dann muss man erstmal dorthin kommen. (Der Weg zu Bastis Untersuchungsgebiet ist kurz und fußläufig von unserem Hotel erreichbar.)

Mit Hilfe von Biniam und Tegegn, zwei Dozenten an der Uni, die auch unsere Ansprechpartner vor Ort sind, haben wir das heute hinbekommen. Da am Wochenende die Bauern vor Ort am einfachsten anzutreffen sind, aber die Fahrzeuge der Uni auch frei haben, ging die Reise mit dem Bajaj hin. 
Der erste Fahrer hatte zu viel Wasser in seinen Tank gemischt und so mussten wir nach einer Teilstrecke das motorisierte Dreirad wechseln und uns erneut zu viert in so ein kleines Gefährt puzzeln. Nach einer halben Stunde fahrt, am Ende über eine löchrige, holprige Straße im Slalom kamen wir am Untersuchungsgebiet an. Es war nicht so schlimm, wie es sich anhört ;-)

Biniam, der uns zum Bajaj ruft

Selfie-Versuch im Bajaj

Die Art der aufzunehmenden Daten ist in diesem Fall sehr vielfältig: Welche Pflanzen wachsen dort? Wie viele Pflanzen wachsen dort? Welche und wie viele Tiere weiden auf dieser Fläche? Wovon leben die Bauern? Gehen die Kinder zur Schule? Aus welchem Material bauen sie ihre Häuser? Und noch einiges mehr.


Vor Ort hat man mit Englisch kaum eine Chance, noch weniger als in der Stadt, deshalb haben Biniam und Tegegn die Fragen auf Amharisch, der Amtssprache hier, gestellt und anschließend übersetzt. 

Zwei Weiße am Sonntagvormittag auf dem Feld waren natürlich DIE Attraktion und deshalb versammelten sich immer mehr Menschen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, fast nur männliche, um uns. Nachdem wir fertig waren mit Fotos und Gummibärchen verteilen, bedanken und Kinder abschütteln, verstreuten sich die Menschen so schnell, wie sie aufgetaucht waren.





Als Ergänzung der Feldinformationen haben wir letzte Woche auch bei der Stadtverwaltung nach Auskünften gefragt und auch schon ein paar wertvolle Informationen erhalten. Der Weg dorthin lohnt sich auf jeden Fall, allerdings gibt nicht jeder die Informationen bereitwillig preis. Höfliches Nachfragen und mehrfaches Auftauchen können hilfreich sein.

Wir hoffen, ihr könnt euch jetzt ein bisschen unter unserer Arbeit vorstellen, bis zum nächsten Mal :-)