Sonntag, 11. Juni 2017

Wir sind ja nicht nur zum Spaß hier

Der Grund unseres Aufenthaltes ist ja nicht alleine, das Land kennen zulernen, sondern vor allem auch Daten für unsere Masterarbeiten zu sammeln. Sonst wäre es ja auch ein bisschen einfach ;-)

Heute gibt es für euch deshalb einen kleinen Einblick in unsere Arbeiten.

Basti beschäftigt sich mit der Stadtentwicklung von Bahir Dar, einer der wichtigsten, und dementsprechend größten, Städte in Äthiopien.
Beispielhaft für die Entwicklung von Bahir Dar und auch anderen großen Städten in Äthiopien und Ostafrika kartiert er einen Stadtteil. 
Diese Kartierung haben schon vor ihm andere Studenten in ihrer Masterarbeit vorgenommen, deshalb kann er jetzt so die Veränderungen im Vergleich feststellen und die Ergebnisse übertragen. 

Zu dieser Arbeit gehört vor allem ein aktuelles Satellitenbild (woraus ein Plan gezeichnet wird, von offizieller Seite gibt es sowas hier nicht), ein Feldbuchrahmen, ein Bleistift und ein Einheimischer, der beim Übersetzen und Feststellen der Funktion hilft. Shambel, ein Student, der schon bei einer vorherigen Masterarbeit geholfen hat und selbst 2011 dieses Stadtviertel kariert hat, hilft jetzt auch wieder mit.
Außerdem sollte man genug Wasser, bequeme Schuhe, Sonnencreme (bereits aufgetragen) und immer ein freundliches Lächeln mitbringen.

Basti und Shambel bei der Arbeit

Die meisten Leute sind zwar erst verunsichert und skeptisch, nach einer Erklärung aber sehr freundlich. Kinder begleiten uns auch manchmal ein Stück des Weges, vor allem wenn wir am Wochenende dort unterwegs sind.

So läuft man Gasse für Gasse das Viertel ab und notiert die Funktion jedes Hauses, ab und zu gibt es eine Befragung der Anwohner oder Ladeninhaber als Interview und zusätzliche Informationsquelle, bis alles aufgenommen ist.

Zwei der verhältnismäßig wenigen und sehr friedlichen Straßenhunde

Es gibt viele Neubauten in diesem Viertel:
so sieht hier ein Baugerüst aus

 
Lisa beschäftigt sich mit dem Zustand und der Entwicklung von Grasland oder Weideland. Dafür ist deutlich mehr organisatorische Unterstützung seitens der Uni oder eines ortskundigen nötig. Denn zuerst muss man wissen, wo sich solche Flächen befinden und dann muss man erstmal dorthin kommen. (Der Weg zu Bastis Untersuchungsgebiet ist kurz und fußläufig von unserem Hotel erreichbar.)

Mit Hilfe von Biniam und Tegegn, zwei Dozenten an der Uni, die auch unsere Ansprechpartner vor Ort sind, haben wir das heute hinbekommen. Da am Wochenende die Bauern vor Ort am einfachsten anzutreffen sind, aber die Fahrzeuge der Uni auch frei haben, ging die Reise mit dem Bajaj hin. 
Der erste Fahrer hatte zu viel Wasser in seinen Tank gemischt und so mussten wir nach einer Teilstrecke das motorisierte Dreirad wechseln und uns erneut zu viert in so ein kleines Gefährt puzzeln. Nach einer halben Stunde fahrt, am Ende über eine löchrige, holprige Straße im Slalom kamen wir am Untersuchungsgebiet an. Es war nicht so schlimm, wie es sich anhört ;-)

Biniam, der uns zum Bajaj ruft

Selfie-Versuch im Bajaj

Die Art der aufzunehmenden Daten ist in diesem Fall sehr vielfältig: Welche Pflanzen wachsen dort? Wie viele Pflanzen wachsen dort? Welche und wie viele Tiere weiden auf dieser Fläche? Wovon leben die Bauern? Gehen die Kinder zur Schule? Aus welchem Material bauen sie ihre Häuser? Und noch einiges mehr.


Vor Ort hat man mit Englisch kaum eine Chance, noch weniger als in der Stadt, deshalb haben Biniam und Tegegn die Fragen auf Amharisch, der Amtssprache hier, gestellt und anschließend übersetzt. 

Zwei Weiße am Sonntagvormittag auf dem Feld waren natürlich DIE Attraktion und deshalb versammelten sich immer mehr Menschen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, fast nur männliche, um uns. Nachdem wir fertig waren mit Fotos und Gummibärchen verteilen, bedanken und Kinder abschütteln, verstreuten sich die Menschen so schnell, wie sie aufgetaucht waren.





Als Ergänzung der Feldinformationen haben wir letzte Woche auch bei der Stadtverwaltung nach Auskünften gefragt und auch schon ein paar wertvolle Informationen erhalten. Der Weg dorthin lohnt sich auf jeden Fall, allerdings gibt nicht jeder die Informationen bereitwillig preis. Höfliches Nachfragen und mehrfaches Auftauchen können hilfreich sein.

Wir hoffen, ihr könnt euch jetzt ein bisschen unter unserer Arbeit vorstellen, bis zum nächsten Mal :-)




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen